Wenn das Baby auf sich warten lässt: Wehenfördernde Maßnahmen bei Überschreitung des Geburtstermins
- Sarah Wüst

- 18. Sept. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Der errechnete Geburtstermin (ET) ist für viele Schwangere ein magisches Datum – aber er ist nicht immer korrekt. Er wird meist nach der letzten Periode berechnet, ohne den individuellen Zyklus oder Eisprung exakt zu berücksichtigen. Deshalb ist es ganz normal, wenn das Baby einige Tage „zu spät“ kommt. Nur etwa 4 % aller Kinder werden am ET geboren – die meisten innerhalb von 10 Tagen davor oder danach.
Ab wann spricht man von Übertragung?
Terminüberschreitung:länger als 40+0 Schwangerschaftswochen
Übertragung: länger als 42+0 Wochen
Mit fortschreitender Zeit nimmt die Leistungsfähigkeit der Plazenta ab, deshalb werden Schwangere nach ET engmaschiger kontrolliert (CTG, Ultraschall, Fruchtwasser).
Sanfte, wehenfördernde Massnahmen
Viele Schwangere probieren zuerst natürliche Möglichkeiten, um die Geburt zu unterstützen. Auch wenn die Wirksamkeit nicht immer wissenschaftlich gesichert ist, berichten viele Frauen von positiven Erfahrungen:
Bewegung: Spaziergänge, Treppensteigen, Yoga
Wärme: warmes Bad, Wärmflasche, Sauna (wenn gewohnt)
Sexualität & Brustwarzenstimulation: können die Oxytocin- und Prostaglandinproduktion anregen
Himbeerblättertee: soll das Gewebe im Becken lockern und den Muttermund vorbereiten
Akupunktur oder Akupressur: wird von vielen Hebammen angeboten, oder TCM Therapeuten
Medizinische Massagen oder Fussreflexzonen-Behandlungen: können die Durchblutung anregen und entspannend wirken
Ätherische Öle – ein kritischer Blick
Ätherische Öle sind hochkonzentrierte Pflanzenextrakte, die innerhalb von etwa 15–20 Minuten über Haut oder Schleimhäute im gesamten Blutkreislauf zirkulieren – und damit auch das Kind erreichen.
Deshalb verzichte ich persönlich grundsätzlich auf ätherische Öle während der Schwangerschaft.
Manche Hebammen und Therapeut\:innen nutzen sie gezielt zur Geburtseinleitung ab dem Termin (z. B. Zimt, Ingwer, Nelke, Rosmarin). Wenn überhaupt, dann aber nur verdünnt, nach Absprache und unter professioneller Begleitung.
Medizinische Massnahmen zur Geburtseinleitung
Wenn sich nach dem Termin nichts tut oder medizinische Gründe bestehen, können folgende Methoden im Krankenhaus eingesetzt werden:
Prostaglandine (Gel, Tablette, Zäpfchen):reifen den Muttermund und können Wehen anregen
Ballonkatheter: dehnt den Muttermund mechanisch
Amniotomie (Blasensprengung): gezieltes Öffnen der Fruchtblase
*Oxytocin-Infusion:** regt oder verstärkt Wehen über eine Tropfinfusion
Alle diese Massnahmen erfolgen unter ärztlicher Überwachung und kontinuierlichem CTG.
Checkliste: Was kann ich tun, wenn das Baby sich Zeit lässt?
🌿 Sanfte Methoden für zuhause
Bewegung & Treppensteigen
Wärmendes Bad oder Wärmflasche
Himbeerblättertee trinken (nach Absprache)
Entspannungsmethoden: Atemübungen, Meditation, Musik
Sanfte Massagen oder Fussreflexzonen-Behandlung (fachgerecht)
Akupunktur bei der Hebamme
🏥 Wann ins Krankenhaus oder zur Hebamme?
Regelmässige, stärker werdende Wehen über mindestens 1 Stunde
Platzen der Fruchtblase
Blutungen oder auffälliger Ausfluss
Weniger oder keine Kindsbewegungen
Starke Kopfschmerzen, Sehstörungen oder starke Schwellungen
📅 Wenn der Termin überschritten ist
Ab 40+0 engmaschige Kontrollen wahrnehmen
Geduld haben: viele Kinder kommen zwischen 40+0 und 41+6 spontan
Fragen zur möglichen Einleitung notieren
Positiv bleiben: Dein Baby sucht sich den richtigen Zeitpunkt
Fazit
Der Geburtstermin ist nur eine Schätzung – jedes Kind hat sein eigenes Tempo. Viele Babys kommen von selbst zur Welt, auch wenn der Termin schon überschritten ist. Sanfte Methoden können die Wartezeit erleichtern, medizinische Massnahmen sind sinnvoll, wenn Mutter oder Kind sie brauchen.

👉 Am wichtigsten ist: Besprich alle Schritte mit deiner Hebamme oder deinem ärztlichen Team – sie begleiten dich individuell und sicher.



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