• Sarah Wüst

Aus dem Praxisalltag Teil 6: gutartiger Lagerungsschwindel

Heute schreibe ich über eine Patientin, welche mit Schwindel zu mir in die Praxis kam.


Beim Anamnesegespräch erzählte sie, dass sie seit der wilden Schlittenfahrt am Wochenende unter Schwindel leidet. Dieser tauchte auf zb beim aufstehen aus dem Bett oder beim umdrehen beim Schlafen oder auch beim Pilates wenn Sie den Kopf drehen musste.


Diese Art von Schwindel war mir in Verbindung mit muskulären Verspannungen nicht bekannt. Ich dachte an die Otokonien(mehr dazu unten).

Ich behandelte ihren SchulterNacken Bereich und stellte keine besonders hohe Muskelspannung feststellen. Als ich den Kopfwendermuskel palpierte, war mir relativ klar dass der Schwindel nicht von verspannter Muskulatur kam. Der Kopfwendermuskel war fast butterzart.

Die Massage war nicht umsonst- sie konnte sie Behandlung trotzdem geniessen.

Ich zeigte ihr danach auf meinem Tablet die Anatomie des Ohres und eine Seite, auf der sie sich Zuhause einerseits einlesen andererseits Übungen anschauen und nachmachen konnte um die Otokonien wieder an ihren Platz zu "schleudern".

Natürlich hätte sie auch zu einem HNO Arzt gehen können, sie wollte es aber zuerst selbst testen.


Einige Tage später meldete sie sich und erzählte, dass sie den Schwindel mit den Übungen schon fast weg bekommen hatte.


Was sind Otokonien, und was ist Lagerungsschwindel?

Ohrsteinchen, Otokonien genannt, können in die Bogengänge des Gleichgewichtsorgans hineinrutschen. Etwa bei einem Schlag gegen den Kopf, bei Innenohrerkrankungen oder weil sie im Alter langsam zerbröseln.



Otokonien sind Tausendstel Millimeter kleine Kristalle, die sieben Tage nach der Geburt komplett ausgereift sind. Sie wirken im Kopf wie träge Massen: Werden die Steinchen beschleunigt, weil wir beispielsweise den Kopf drehen oder morgens aufstehen, dann wird das an das Gehirn weitergemeldet. Es entsteht eine Orientierung im Raum.



Um die verirrten Steinchen wieder aus den Bogengängen herauszuholen, gibt es sogenannte Befreiungsmanöver. Bei diesen Bewegungsübungen werden die Patienten unterschiedlich gelagert. Die Richtungswechsel und die Beschleunigungskräfte, die dabei auf die Bogengänge wirken, sorgen dafür, dass die ausgebüxten Ohrsteinchen wieder herausgespült werden.


Lässt man die Betroffenen danach rasten bis der Schwindel endgültig abgeklungen ist, hat man die meisten von ihren Beschwerden befreit. Schwieriger wird es für den Arzt, wenn die Körnchen in mehrere Bogengänge gleichzeitig schlüpfen.


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