• Sarah Wüst

Schwindel

Es gibt einige verschiedene Arten von Schwindel. In diesem Beitrag gehen wir auf den Schwindel in Verbindung mit verspannter Muskulatur und einer eventueller Cranio Mandibulärer Dysfunktion ein. (CMD= eine Funktionsstörung des Kausystems, die in einer Kieferfehlstellung mündet. Der Begriff bedeutet einzeln übersetzt "Cranium: Schädel", "Mandibula: Unterkiefer" und "Dysfunktion: Fehlfunktion“. 
Hierbei sind Zähne, Kiefergelenke und die Kaumuskulatur betroffen.)



Bei bestimmten Symptomen und Beschwerden sollten Betroffene immer auch Kiefergelenksprobleme in Betracht ziehen: Zum Beispiel, wenn man den Mund nur noch eingeschränkt öffnen kann, Schmerzen vor dem Ohr oder an der Schläfe und dazu Geräusche auftreten. Unspezifische Kopfschmerzen oder Beschwerden der Halswirbelsäule lassen sich ebenfalls oft auf das Kiefergelenk zurückführen.

Das Kiefergelenk ist ein ausgeklügeltes System aus Knochen, Muskulatur und Sehnen. Beim Essen oder Sprechen muss es rotieren, sich auf und ab, vor und zurück bewegen. Wenn dabei etwas hakt, Ober- und Unterkiefer nicht optimal aufeinandertreffen, kann das schmerzhafte Folgen haben, die bis in andere Körperbereiche ausstrahlen.Bildgebende Verfahren können eine häufige Ursache sichtbar machen: die sogenannte Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD). Dabei stimmt der Biss nicht, Ober- und Unterkiefer passen nicht richtig zusammen. Nach Schätzungen weisen 70 Prozent der Bevölkerung eine Verschiebung der Kiefergelenkteile auf, doch nur bei jedem Siebten verursacht sie auch Beschwerden und muss behandelt werden. Die Schmerzen treten oft erst auf, wenn die Betroffenen zusätzlich Druck auf das nicht optimal stehende Gelenk geben, zum Beispiel durch nächtliches Zähneknirschen aufgrund von Stress, Überforderung im Beruf und/ oder Familiär oder einer anderen, oft psychischen Belastung.

Unser Kiefergelenk gehört zu den kompliziertesten Gelenken des Körpers. Um Kieferproblemen auf den Grund zu gehen, wird geprüft, wo und warum der Kau- und Schließmechanismus gestört ist. Abgenutzter Kiefergelenksknorpel oder ständiger Druck durch nächtliches Zähneknirschen, aber auch Fehlhaltungen, zum Beispiel durch eine falsche Brille, zu hohe Zahnfüllungen oder Schwellungen der Kaumuskulatur können zu einem Fehlbiss führen: Die Zahnreihen schließen nicht mehr harmonisch, und der Unterkiefer verschiebt sich in eine neue Position, um die Fehlstellung auszugleichen. Die Kaumuskulatur wird zu stark und falsch belastet. Diese Probleme können sich fortsetzen bis in den Nacken und den Schultergürtel.

Doch häufig erkennen Ärzte diesen Zusammenhang nicht, und es vergehen Jahre, bis Kiefergelenkspatienten geholfen wird. Denn Zahnärzte als erster Anlaufpunkt kümmern sich vor allem um die Reparatur der Zähne und nicht um das Kiefergelenk. Spezialisten für Kieferbeschwerden können Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen, Kieferorthopäden oder auch fachlich weitergebildete Zahnärzte, Physiotherapeuten oder Masseure sein. CMD-Spezialisten zu finden ist jedoch nicht leicht, denn dieser Begriff ist rechtlich nicht geschützt - und so halten der Name und die angebotenen technischen Verfahren nicht immer, was sie versprechen.

Außerdem sind die Beschwerden oft diffus und schlecht zuzuordnen, was die Diagnose erschwert. So schränkt eine sogenannte Diskusverlagerung im Kiefergelenk die Mundöffnung ein und beeinflusst die Statik des ganzen Körpers. Das führt zu Schmerzen im gesamten Oberkörper, die mit der Zeit immer schlimmer werden. Ein falsch sitzendes Implantat oder eine misslungene Kiefer-OP können neurologische und orthopädische Beschwerden auslösen. Spannungsschmerzen im Schulter-Nackenbereich, die über die Arme bis zur Hüfte ziehen, können die Folge sein.


Was sind die Typischen Hinweise auf CMD?


Einige typische Anzeichen, die auf eine CMD hinweisen können:


  • Wie lässt sich der Mund öffnen? Normalerweise passen mindestens drei Finger in die Mundöffnung. Geht der Mund nicht weit genug auf, kann das ein Hinweis auf eine CMD sein.

  • Schmerzt es, wenn man auf das Kiefergelenk drückt und sind die Muskeln an dieser Stelle angespannt?

  • Knackt und knirscht es im Kiefergelenk?

  • Leiden Sie unter Schwindel?


Je mehr Zeit vergeht, desto schwieriger ist es, das erkrankte Kiefergelenk zu behandeln, weil sich die Folgen im gesamten Körper verfestigen. So können zum Beispiel im Kindesalter gezogene Zähne den Kiefer so verschieben, dass Betroffene Jahre später unter Schwindelattacken leiden.

Bei Schwindel denken die meisten nicht sofort an einen Zusammenhang mit den Zähnen. Jedoch sind die Gelenke und Muskeln des Unterkiefers mit dem Innenohr verbunden. Klagt jemand über Schwindel, kann eine Gleichgewichtsstörung der Grund sein, die sich eben aufgrund der Kieferfehlstellung manifestiert hat. Das Gleichgewicht wird über das Gehirn gesteuert, welches seine Informationen von drei Bereichen erhält: vom Innenohr, vom Sehen, also durch das Beziehen visueller Informationen und von den Rezeptoren der Muskeln und Gelenke (Tiefenwahrnehmung). Alle drei Informationen kommen im Gehirn zusammen und sorgen für unsere Balance.

Das Innenohr liefert den größten Anteil des Gleichgewichtssinnes. In diesem befindet sich eine sogenannte “Labyrinth-Struktur”, die aus drei Kanälen besteht. Diese Kanäle sind mit einer Flüssigkeit gefüllt, die bei Bewegung zu der Gleichgewichtswahrnehmung führt. Nun ist aber das Innenohr über das Schläfenbein direkt mit dem Unterkiefer verbunden. Die sogenannte Unterkiefergrube hängt am Schläfenbein, genauso wie das Innenohr.

Feststellen können Sie die Verbindung sogar selbst, wenn Sie ihren kleinen Finger vorne in den äußeren Gehörgang stecken und dann den Mund öffnen. Sie können dann die Bewegung der Kiefergelenke wahrnehmen. Wenn nun der Unter- und Oberkiefer nicht ideal miteinander verbunden sind, also eine Kieferfehlstellung vorliegt, dann entsteht Druck, der auf die Gelenkpfanne drückt. Dieser Druck kann so stark werden, dass das Schläfenbein minimal bewegt wird. Dies wiederum sorgt dafür, dass das Gleichgewichtsorgan im Innenohr aus seiner normalen Position gerät. Dann entsteht ein Ungleichgewicht, welches wir als Schwindel empfinden.

Ein weiterer Auslöser für Schwindel kann aber auch über Muskelverspannungen erklärt werden. Denn das Kiefergelenk befindet sich in direkter Verbindung mit der Wirbelsäule und den Halswirbeln. Ist nun der Kiefer in einer Fehlposition, entsteht z.B. ein Kompensationsmechanismus durch den Nacken oder die Schultern. Die Muskeln versuchen, die Kieferfehlstellung auszugleichen. Dadurch geraten diese Muskeln selber in unnatürliche Positionen und verspannen sich. Es entstehen Nacken- Rücken oder weitere Verspannungen. Muskelverspannungen, vor allem im Nackenbereich, können wiederum für Schwindel sorgen. Denn wie bereits beschrieben, senden ja auch die Rezeptoren der Muskeln und Gelenke Gleichgewichtsinformationen an das Innenohr und Gehirn. Wenn der Muskel im Nacken verspannt ist, entsteht eine Dauerkontraktion und die Rezeptoren können ihre Signale nicht mehr richtig senden. Dadurch entstehen dann Schwindel, Gleichgewichtsstörungen oder sogar Ohnmacht.


Die Behandlung der Kieferprobleme erfolgt in der Regel mit einer individuell angepassten Zahnschiene: Sie soll die bestehenden Muskel- und Gelenkbewegungen verändern und so zu einer Entspannung der Kau- und Kopfmuskulatur sowie zu einer Entlastung der Kiefergelenke führen. Diese Schiene soll aber nicht ein Begleiter bis zum Lebensende werden! Das Ziel der Schiene sollte in erster Linie der Schutz der Zähne sein sowohl eine Hilfestellung/ Erinnerung für den Patienten damit er merkt, wie die Zähne "stehen" sollen.

In Kombination mit intensiver Physiotherapie kann diese Problematik behoben werden. Wichtig dabei ist die Zusammenarbeit zwischen Patient und Therapeut (Übungen sollten Zuhause konsequent gemacht werden, bis der Patient beschwerdefrei ist - sowie auch die Zusammenarbeit zwischen Therapeut und Zahnarzt. Die CMD Therapie kann vom Zahnarzt oder ggf. vom behandelnden Hausarzt verordnet werden und wird von der Grundversicherung getragen.





Quellen:ndr.de /zahnaerzte-luebeck.de

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