• Sarah Wüst

Aus dem Praxisalltag Teil 5: die Coiffeuse/Friseurin

Heute schreibe ich von einer Patientin die mit Schulter Nacken Schmerzen mit ausstrahlenden Kopfschmerzen zu mir in die Praxis kam.

Beim Anamnesegespräch erzählte sie mir, dass sie Coiffeuse war.

Bei Berufen bei denen die Personen über Kopf arbeiten, treten Nacken und Schulterprobleme öfters auf.

Friseurinnen und Friseure geraten in ihrem Arbeitsalltag leicht in Körperhaltungen, die das Muskel-Skelett-System belasten können. Dazu gehören unter anderem das zu hohe Anheben der Arme, das Vorbeugen des Oberkörpers, das Verschieben der Halswirbelsäule nach vorne und das Steilstellen der Lendenwirbelsäule.


Wir konzentrierten uns daher auf den gesamten Nacken Schulterbereich und ich behandelte auch Ihre Arme.

Die Muskulatur hatte einen sehr hohen Tonus, was die Massage im ersten Moment nicht sehr angenehm machte für die Patientin. Ich löste muskuläre Verhärtungen und regte die Durchblutung zusätzlich mit Schröpfen an. Das Schröpfen erzeugte innert kürzester Zeit blau-violette Hämatome. Als Heimübung gab ich ihr auf,Wärmeanwendungen durchzuführen und auf ihre Arbeitshaltung zu achten und mir davon zu berichten.

Beim nächsten Termin hatte die Patientin weniger Schmerzen, hatte jedoch noch 3 Tage nach der Massage Muskelkater..Das Schröpfen hinterliess "schöne" blaue Striemen. Diese waren für mich jedoch nicht mehr sichtbar und waren nur von kurzer Dauer.

Bei der zweiten Sitzung machte ich mich an die Feinarbeit und löste Myogelosen und Triggerpunkte in ihrer Nacken und Halsmuskulatur. Diese strahlten teilweise bis zum Auge oder direkt "ins Gehirn". Sie konnte den Schmerz jetzt schon besser ertragen. Abschliessend schröpfte ich nochmals, um zu sehen ob das Gewebe wieder sofort heftig reagiert. Dies war nicht der Fall, was mich nicht überraschte, da sich das Gewebe ziemlich schnell adaptiert. Die Schröpfkopfmassage ist jedoch nicht mit dem regulären Schröpfen zu vergleichen, denn bei der Schröpfkopfmassage bleibt das Schröpfglas nicht auf einer Stelle stehen und saugt sich fest, sondern es wird immer bewegt und über die vorher beölte Haut gezogen. Dadurch kann eine flächigere Mehrdurchblutung sowie Verklebungen der einzelnen Gewebeschichten erreicht werden.

Es waren noch einige Termine nötig um die Muskulatur zu lösen, danach konnten wir die Abstände zwischen den einzelnen Behandlungen grösser werden lassen.


Grundsätzlich empfiehlt sich bei allen Tätigkeiten im Friseurhandwerk, auf die Haltung der Schultern, des Nackens und des Oberkörpers zu achten. Als Faustregel für die Armhaltung gilt: Ellbogen maximal auf Höhe der Schultern anheben. Die Schultern lässt man idealerweise entspannt nach unten fallen. Die Halswirbelsäule sollte gestreckt sein und der Kopf sich nicht nach vorn verschieben. Im unteren Rücken verhindert eine aufrechte Haltung mit leichtem Hohlkreuz, dass die Lendenwirbelsäule zu steil gestellt wird. Der Oberkörper insgesamt wird am besten aufrecht gehalten, häufiges oder anhaltendes Vorbeugen gilt unter Muskel-Skelett-Experten als ungünstig.


Tipps für verschiedene Tätigkeiten


Bei allen Arbeiten am Frisierstuhl kommt es für eine günstige Körperhaltung darauf an, ihn richtig einzustellen. Je nach Oberkörperlänge der Kundin oder des Kunden und nach Größe der Friseurin oder des Friseurs muss der Stuhl für jede Tätigkeit individuell angepasst werden. Richtschnur: Arme und Schultern können beim Arbeiten entspannt unten bleiben. Auch der Abstand zum Kunden oder zur Kundin beeinflusst die Körperhaltung beim Arbeiten.


Beim Schneiden im Nacken und am Hinterkopf kann ein Rollhocker eingesetzt werden, der die Beine entlastet. Aber Achtung: Wer ihn nicht richtig einstellt, hebt leicht die Arme zu hoch an. Und wer mit dem Rollhocker starr an einer Stelle stehen bleibt, macht schnell ungünstige Oberkörperverrenkungen nach links oder rechts. Darum gilt für den Hocker: Gezielt für Tätigkeiten im Nacken und am Hinterkopf einsetzen, die Höhe so einstellen, dass man die Ellbogen beim Arbeiten maximal auf Schulterhöhe anhebt, stets frontal arbeiten und die Fußsohlen fest auf den Boden stellen.


An der Waschanlage empfiehlt es sich, gegebenenfalls die Position zum Becken zu variieren, um eine günstige Körperhaltung zu erreichen. Helfen kann dort zum Beispiel, die Füße nicht nebeneinander, sondern in Schrittstellung aufzustellen.


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