• Sarah Wüst

Aus dem Praxisalltag Teil 1: Eingeschränkte Bewegung Schultern

Heute schreibe ich über eine junge Patientin von mir, welche mit Schulter- Nacken Schmerzen zu mir zur Massage kam.


Zu Beginn testete ich die Bewegungsfreiheit der verschiedenen Gelenke und der Rotatorenmanschette(mehr dazu unten). Der sogenannte "Schürzengriff" war bei ihr massiv eingeschränkt. Ihre Hand konnte gerade mal den Beckenrand bzw ca L5 erreichen.

"Normal" wäre auf Höhe des 7. Brustwirbels (also bei Frauen BH-Höhe). Da sie ihren BH stets vorne öffnete und schloss, war für sie diese Einschränkung nicht gross spürbar.


Ich behandelte daher die gesamte Rücken, Nacken, Schultermuskulatur, mit besonderem Augenmerk auf die 4 Muskeln der Rotatorenmanschette. Nebst Tigerbalsam verwendete ich Arnikaöl, welches angenehm riecht und entzündungshemmend wirkt.

Nach 50 minütiger Behandlung, lösen von Verklebungen und Tiggerpunkten, testeten wir den Bewegungsradius noch einmal. Die Überraschung war gross- sie erreichte bereits jetzt ihren 3/4 Brustwirbel!

Als Hausaufgabe hatte sie nebst wärme im Gesamten Schulter- Nackenbereich anzuwenden, auch die muskulären Verhärtungen mit einem Tennisball selbst Zuhause zu bearbeiten. Dies wenn es geht 1x pro Tag 2-5 Minuten lang, alles was mehr ist, ist natürlich noch besser.


Beim nächsten Besuch eine Woche später erzählte sie mir von Muskelkater der während 1-2 Tagen nach der Massage zu spüren war. Aber, dass es sich insgesamt schon gelöster anfühlt. Der Bewegungsradius war gleich geblieben wie zu Ende der ersten Behandlung.

Ich massierte nochmals ungefähr gleich wie beim ersten mal, und konnte am Ende den Bewegungsradius nochmals um ca eine Daumenbreite verbessern.


Die Rotatorenmanschette


Das Schultergelenk besitzt - im Gegensatz zum Hüftgelenk - aufgrund seiner relativ kleinen Gelenkpfanne nur eine schwache knöcherne Führung. Sie bietet zwar sehr viel Bewegungsfreiheit, aber wenig Stabilität. Eine wichtige Aufgabe der Rotatorenmanschette ist daher die Stabilisierung des Schultergelenks. Sie zentriert den Gelenkkopf des Oberarmknochens (Humerus) in der Gelenkpfanne des Schulterblatts (Scapula) und verspannt die Gelenkkapsel des Schultergelenks. Die einzelnen Muskeln sind für die Innen- und Aussenrotation sowie für die Abduktion des Armes verantwortlich.


Der Schürzengriff Englisch: Apley's scratch test, spinous process reach Test

Der Schürzengriff kann bei stehendem oder sitzendem Patienten durchgeführt werden. Dabei wird der Patient dazu angewiesen seinen Arm nach hinten und innen zu drehen, so als ob er eine Schürze zubinden wollte. Der Griff kann aktiv durch den Patienten selbst oder auch passiv durch den Untersucher ausgeführt werden, der dann die Hand des Patienten entsprechend bewegen soll. Wenn der Patient mit den Handrücken den 7. Brustwirbel berühren kann, so kann von einem normalem Bewegungsausmaß ausgegangen werden. Das erreichte Bewegungsausmaß ist jedoch altersabhängig und sollte mit den Normwerten verglichen werden. Der Schürzengriff überprüft die Funktion des Schultergelenks (articulatio glenohumeralis), des gesamten Schultergürtels, des Ellenbogengelenks, des Handgelenks und des Daumens. Der Test gilt als vergleichsweise unspezifisch, da Funktionseinschränkungen eines Gelenks jeweils durch ein anderes kompensiert werden können und deswegen ein falscher Eindruck entstehen kann.


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